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Handycap 

Regeln im Umgang mit dem kleinen Schwarzen

Ojeh

Erstens: Das Handy ist kein Telefon. Es ist ein öffentliches Verkehrsmittel, ähnlich denen, in denen es oft und gerne benutzt wird. Im Klartext: Sie sind nie alleine, wenn Sie telefonieren. Es sei denn, Sie benutzen das Ding nur, wenn Sie sicher sind, dass niemand mithört. Beispielsweise im Auto (aber bitte nur ohne Hände) oder auf der Toilette (vermutlich wäre auch dort eine Freisprechanlage angebracht).

Falls Sie, liebe Schwestern im Handy, das kleine Schwarze in der Öffentlichkeit verwenden, dann tun sie dieser wenigstens einen Gefallen: Bieten Sie etwas. Ziehen eine Show ab. Wenn wir schon nicht darum herum kommen, zur Mithörerschaft zu werden, dann lassen Sie und wenigstens an einem aufregenden, weiterbildenden oder witzigen Gespräch teilhaben.

Endgültige Wahrheiten wie "Ich bin im Tram. Komme in etwa zehn Minuten nach Hause!" interessieren wirklich keine Ihrer unfreiwilligen Mithörerinnen und Mithörer. Spannender wären etwa Börsentips, Klatsch, Fussballresultate, Kochrezepte oder, wenn's denn sein muss, ein neuer Witz.

Aber aufgepasst: Sie haben ein grosses Publikum, also bleiben Sie mehrheitsfähig und in jeder Hinsicht korrekt.

Peinlich

Zweitens: Sie sind nicht nur hörbar, Sie sind auch sichtbar. Üben Sie Ihren Auftritt. Trainieren Sie vor dem Spiegel, bevor Sie das erste Mal die Bühne betreten. Es ist bis heute noch niemandem gelungen, mir den Eindruck von auch nur ansatzweise vorhandener Geistesgrösse zu vermitteln, wenn er sich krampfhaft an eines dieser Schächtelchen klammert und hineinschreit.

Daneben

Drittens: Geniessen Sie Ihren Auftritt, wenn es endlich so weit ist. Lassen Sie Ihr Handy ganz gelassen ein paar Mal läuten. Das fördert die Aufmerksamkeit der Mitmenschen und erhöht die Spannung. Ganz besonders im Restaurant oder im Kino, wahlweise auch in der Oper oder im Konzert empfehlenswert.

Merken Sie sich immer genau, wo Sie Ihren Apparat versorgt haben. Verzweifeltes Suchen nach dem Ding wirkt sehr unsouverän.

Merke

Viertens: Es ist unter allen Umständen verboten, sie mit "Hallo" zu melden. Damit stempeln Sie sich endgültig zum Natelisten. Nehmen Sie uns nicht das Vergnügen, die Hauptperson in diesem Stück persönlich kennenzulernen. Sprechen Sie Ihren und den Namen Ihres Gesprächspartners oder Gesprächspartnerin laut und deutlich aus. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information. Wenden Sie nicht den Blick ab, versuchen Sie nicht, sich in eine Ecke zu verdrücken. Im Gegenteil: Ruhig sitzen oder stehen bleiben und den Kontakt zum Publikum bewusst suchen. Zeigen Sie Ihre Gefühle, während Sie aufmerksam der Stimme am anderen Ende des Funks zuhören. Lassen Sie uns teilnehmen an dem, was wir nicht hören.

Buuh

Fünftens: Sie können sicher sein, dass Ihr Auftritt gelungen ist, wenn rundherum sämtliche Gespräche verstummen.

Jetzt dürfen Sie auf Ihr Handycap echt stolz sein.

 

Text von

Gabi Labhart


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Einfach den Mond anklicken.

suns.gif (17993 Byte)


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Copyright © 1998 Daniel Bonjour. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Wednesday, 19. September 2001